Flugzeugsuche



Jeden Tag findet man bei der Suche auf unseren Feldern die Hinterlassenschaften des Luftkrieges von vor über 60 Jahren. Zumeist sind es die Patronenhülsen der Bordkanonen der amerikanischen und britischen Bomber und deren Begleitjäger, aber auch der deutschen Zerstörer und Jagdflugzeuge. Seltener findet man kleine Alu-Fetzen oder Alu-Verschraubungen, auch Plexiglas-Bruchstücke von den Kanzeln der Flugzeuge. Die beim Luftkampf verloren gingen und einfach, meist unbeobachtet von Menschen, zu Boden fielen. Die Leute hatten sicher auch andere Sorgen, als sich für die Luftkämpfe über ihren Köpfen zu interessieren. Beim Sondengehen "stolpert" man aber auch über verschiedene Absturzsturzstellen von Flugzeugen. Gerade in unsere Heimat gibt es viele solcher Absturzstellen.

Der Dümmer war im II. Weltkrieg wichtiger Navigationspunkt der alliierten Flieger. So kam es in unserer Gegend zu vielen Luftkämpfen und zum Verlust vieler Maschinen. Vor allem in den letzten zwei Kriegsjahren, 1944 und 1945. Ein Beispiel für einen verlustreichen Tag ist der 15. März 1944. An diesem Tag flogen die Amerikaner einen Tagesangriff auf Braunschweig. Begleitet wurden die Boeing B-17 und B-24 Liberator - Bomber von Begleitjägern, den einmotorigen P-47 „Thunderbolt“ und zweimotorigen P-38 „Lightning“. Im Bereich des Dümmer Sees kam es dann zum Luftkampf zwischen den deutschen Messerschmidt 109 und den amerikanischen Jägern. Aber die deutschen Maschinen waren zu dieser Zeit schon hoffnungslos unterlegen (Die von der Führung versprochenen „Wunderwaffen“ liessen auf sich warten!). Die Verluste an deutschen Maschinen waren dementsprechend groß. Die Deutschen verloren acht Me 109 G und die Amerikaner drei P-38. Ob es Verluste bei den P-47 gab, ist nicht bekannt. Einige der in diesem Kampf gefallen Piloten sind bis heute vermisst.

Es gibt Leute, die es zur Aufgabe gemacht haben, die Verluste an Menschenleben und Flugzeugen zu dokumentieren. Das hat absolut nichts mit einer „Glorifizierung“ dieser Zeit zu tun. Da es immer noch eine hohe Zahl vermisster Piloten, aller Nationen am 2. Weltkrieg beteiligter, gibt. Ist es schon wichtig eine Aufarbeitung aller Absturzstellen durchzuführen. Traurig ist, das kaum einer mehr weiß wo und das überhaupt Besatzungen auf verschiedenen Äckern und in Mooren ums Leben gekommen sind. In Drebber zum Beispiel, direkt an der Bundesstrasse 51 am Ortseingang ist in der Nacht vom 28. Januar zum 29. Januar 1944 eine britische „de Havilland Mosquito“ der Royal Canadian Air Force (RCAF), 418. Squadron, abgestürzt. Nachdem sie von der Flak (Flugabwehr) in Vechta abgeschossen wurde. Beide Besatzungsmitglieder des zweimotorigen Flugzeuges, der Pilot und sein Navigator kamen dabei ums Leben. Der Pilot war ein 25 Jahre junger Kanadier und sein Navigator ein 21 Jahre junger Brite. Die sterblichen Überreste sind heute auf dem Kriegsgräberfriedhof in Hannover beerdigt. Die Absturzstelle wurde damals von einem Trupp des Diepholzer Flugplatzes geräumt.

Die Frage ist, ob solche Relikte aus dem II. Weltkrieg erhaltenswert sind, um sie z.B. in einem Museum auszustellen. Ich denke ja, denn es gehört zu unserer Geschichte und in ein paar Jahren sind diese Zeugnisse verschwunden. Aluminium wurde legiert, um Härte und Festigkeit zu steigern, eben, um ihm besondere Eigenschaften zu verleihen. Durch das Vermengen von Metallen unterschiedlicher Spannungsreihe kommt es im Laufe der Zeit unter Einwirkung eines Elektrolytes zum Zerfall des Materials. Reinaluminium ist wesentlich korrosionsresistenter, aber leider zu weich um daraus hochfeste Flugzeugteile zu fertigen.  Flugzeugteile, die aus diesem „Duraluminium“ hergestellt wurden, sind schon seit Jahren unrettbar zerstört. Es zerfällt wie Blätterteig. Aber auch das reine Aluminium wird im Boden zerfressen, was ein schnelles Handeln erfordert. Es liegen keine ganzen Flugzeuge in der Erde, sondern es sind nur Fetzen. Die schwersten Teile eines Flugzeuges, wie etwa der Motor können je nach Bodenbeschaffenheit bis zu 7 Meter in die Tiefe eingedrungen sein. Die allergrößten Stücke die man findet, sind maximal Faust-Groß. Die Motoren und die größten Blechteilen wurden zumeist in den 50er Jahren, des letzten Jahrhunderts, geborgen. Da zu Zeiten des Koreakrieges Aluminium unheimlich gefragt war. So zogen durch unsere Lande, verschiedene Schrotthändler, auf der Suche nach Absturzstellen von Flugzeugen aus dem II. Weltkrieg. Die Schrotthändler interessierte es nicht, ob Reste von den Gefallenen in der Absturzstelle lagen. Sie haben die Munition und die Reste der Besatzungen an den ausgebaggerten Kraterrand geworfen. Zu dieser Zeit gab es zum Beispiel für einen geborgenen Motor 1000 DM. Was damals sehr viel Geld war...



Propellernabe und Sauerstoffflasche des britischen Handley Page Halifax-Bombers NR205, der am 16.01.1945 nördlich von Diepholz durch eine deutsche Ju 88 abgeschossen wurde...



Reste einer deutschen Ju 88



Suche nach den Resten einer abgestürzten Focke Wulf 190 A8

Das Ergebnis von 2 Stunden Suche: lauter Fetzen!

...oder wie mein kleiner Bruder immer sagt: Schrott!


Funde der Avro Lancaster PB258, die am 13.08.1944 durch einen deutschen Nachtjäger abgeschossen wurde.

Die Lancaster PB258 war ein "ganz besonderer Vogel", er hatte einen Störsender für die deutsche Jägerleitwelle an Bord.



Überbleibsel der Avro Lancaster JB276, die am 22.10.1943 brennend abstürzte, ca. 70% der Funde sind geschmolzen.

Auch sie wurde durch deutsche Nachtjäger abgeschossen.